Premium Partner


Gesundheitspartner

 

 


Gesundheitspartner






Klubkasse


Besucherzähler

Heute32
Gestern39
Woche295
Monat1413
Insgesamt150304

Powered by Kubik-Rubik.de

Drucken E-Mail

Germania Wulferstedt erreichte 1991 erstmalig eine Spielklasse auf Bezirksebene
(von Reinhard Klar - Episoden aus der Sportgeschichte des alten Landkreises Oschersleben)

 

Das Spieljahr 1990/91 in der Kreisliga Oschersleben stand ganz im Zeichen der Mannschaft von Germania Wulferstedt, die in allen 30 Punktspielen unbesiegt blieb. Damit hatten sich die Schützlinge des damaligen Trainers Reiner Dreyer, selbstständiger Tischlermeister von Beruf, erstmalig in der Wulferstedter Fußballgeschichte den Kreismeistertitel gesichert und das Recht erworben, an den Aufstiegsspielen zur Bezirksklasse teilnehmen zu können. Der frisch gebackene Kreismeister musste gegen Eintracht Derenburg in einem Hin- und Rückspiel antreten. Die Aufstiegsregelung in diesen Jahren sah vor, dass die Mannschaft, die aus beiden Begegnungen die beste Punkt- und Torausbeute erreicht, den Aufstiegsplatz einnehmen durfte.

 

Das Hinspiel in Wulferstedt am 1. Juni 1991

Mit Spannung sah man in Wulferstedt und im Landkreis Oschersleben den Aufstiegsspielen entgegen. Würde Germania auch in diesen beiden entscheidenden Begegnungen seine Serie fortsetzen und weiter ungeschlagen bleiben können? Das Team von Eintracht Derenburg galt als sehr kampfstark und konnte bereits auf mehrere Jahre Erfahrung auf Bezirksebene verweisen. Sage und schreibe 600(!) Zuschauer umsäumten dicht an dicht die Barrieren der Anlage. Noch nie in der langen und traditionsreichen Geschichte des Wulferstedter Fußballs hatte eine einheimische Mannschaft vor mehr Zuschauern gespielt, als Germania an jenem denkwürdigen 1. Juni 1991. Traditionsgemäß wurde der neue Kreismeister vor dem ersten Aufstiegsspiel vom Kreisfachverband geehrt. Horst Meyer, der Vorsitzende des Fachverbandes, sagte in seiner kurzen Laudatio unter anderem: "In einer spannenden Saison hat sich Germania Wulferstedt in der Meisterschaft durchgesetzt und verdient den Kreismeistertitel errungen. Die Mannschaft blieb in den Punktspielen ohne Niederlage, und es bleibt zu hoffen, dass sie diese Serie auch in den beiden Aufstiegsspielen fortsetzen kann. Der Kreisfachverband Fußball Oschersleben und die Fußballanhänger des Landkreises gratulieren zum Kreismeistertitel und wünschen euch, dass ihr den Sprung in die Bezirksklasse Magdeburg schafft." Offiziell geehrt wurde auch Siegmar ("Bummi") Hohmann, der mit 32 Treffern der erfolgreichste Torschütze des Meisterschaftsjahres 1990/91 in der Kreislige Oschersleben war. Die Ehrung des neuen Kreismeisters und die Auszeichnung des besten Torschützen bedachten die Zuschauer mit starkem Beifall.

 Der Spielverlauf

Das Wissen um die große Chance, erstmalig in der Wulferstedter Fußballgeschichte eine Spielklasse über die Kreisgrenzen hinaus erreichen zu können, war für die Mannschaft eine große Motivation. Das merkte man jedem einzelnen Spieler an. Als Mike Jeschke bereits drei Minuten nach dem Anpfiff die Hausherren im Anschluss an einen Eckball mit 1:0 in Führung brachte, schien alles seinen gewohnten Lauf zu nehmen. Der Meister aber konnte trotz seines Bilderbuchstarts seine verständliche Nervosität nicht so schnell abstreifen, so dass sich die technisch guten Gäste in der Anfangsphase leichte Vorteile erspielen konnten. In der 11. und in der 17. Minute hatte Germania Glück, dass Derenburg zwei sehr gute Möglichkeiten vergab. Im Spiel der Einheimischen herrschte noch immer zuviel Hektik, nur selten gelangen Kombinationen über mehrere Stationen. Die Gäste aus dem Harz fanden immer wieder Möglichkeiten, den Spielaufbau zu stören und ihrerseits gefährliche Angriffe zu inszenieren. So konnte die Germania-Abwehr in der 37. Minute gerade noch im letzten Moment den Ausgleich verhindern. Die Möglichkeiten für Wulferstedt zu weiteren Treffern hielt sich dagegen bis zum Pausenpfiff in Grenzen. In der zweiten Halbzeit bot sich Thomas Albrecht die erste Chance (48.). Der schnelle Angreifer schloss einen für Germania typischen Blitzangriff ab, fand jedoch im Derenburger Schlussmann seinen Meister. Kurz nachdem die Gäste eine Großchance vergeben hatten (57.) strich ein Knie-Abpraller von Mike Jeschke nach einer Ablage von Siegmar Hohmann knapp am Eintracht-Tor vorbei (61.). Derenburg versuchte nunmehr mit aller Macht, eine Spielentscheidung herbeizuführen und setzte sich in der Germania-Hälfte fest. Es gelang ihnen aber nicht, torreife Möglichkeiten zu erspielen, denn die Platzherren verteidigten kampf- und einsatzstark den knappen und kostbaren Vorsprung und verlegten sich auf das Kontern. Vier Minuten vor Ultimo dann endlich das erlösende 2:0 für Wulferstedt: Thomas Albrecht überwand nach einem zunächst abgewehrten Eckball den guten Gästetorwart mit einem platzierten Schuss. Dieser Treffer wurde von den Spielern auf dem Rasen und den Germania-Fans rund um die Barrieren begeistert gefeiert. Nach dem Schlusspfiff stürmte die Mannschaft auf ihren Trainer Reiner Dreyer zu, der am Spieltag seinen 33. Geburtstag beging. Der Erfolg im ersten Aufstiegsspiel gegen den starken Kreismeister von Wernigerode war für ihn mit Abstand das schönste Geburtstagsgeschenk an diesem Tag. "Ich glaube, unser Sieg war verdient. Meine Mannschaft kniete sich mit Kampfkraft und Siegeswillen in ihre Aufgabe und zeigte sich auch konditionell auf der Höhe," zog der Trainer ein erstes Resümee. Als wohltuend konnte man die sportlich-faire Atmosphäre rund um die Barrieren empfinden, denn die Zuschauer honorierten auch gute Gästeleistungen mit Beifall. Das unauffällig, aber wirkungsvoll amtierende Schiedsrichterkollektiv hatte einen großen Anteil daran, dass das Spiel bei aller Bedeutung bis auf einige Kleinigkeiten stets in sportlichen Bahnen blieb. Horst Meyer, der Vorsitzende des Kreisfußballverbandes, äußerte sich nach dem Schlusspfiff folgendermaßen: "Wir sahen ein spannendes Fußballspiel, in dem Wulferstedt durch kämpferische Akzente und durch Einsatzbereitschaft einen verdienten Sieg errang. Die Mannschaft erarbeitete sich damit für das Rückspiel eine gute Ausgangsposition."

Die Wulferstedter Meistermannschaft von 1990/1991.

Meitermannschaft von 1991

Stehend von links: Clemens Jeschke, Bernd Schmidt, Ingo Tripp, Thomas Albrecht, Marko Neugebauer, Torsten Fischer, Mike Jeschke, Trainer Reiner Dreyer.
knieend von links: Rene Scharkowski, Udo Scharkowski, Ingo Korschikowski, Gerald Jeschke, Jürgen Dreyer, Ralf Daszczyk, Siegmar Hohmann. Zum Aufgebot gehörten weiter Hans-Dieter Weiher, Steffen Kazmirzak, Uwe Büber und Thomas Jaffke.

 

Das Rückspiel in Derenburg am 8. Juni 1991

Mit dem beruhigenden Polster des 2:0-Vorsprungs aus dem Hinspiel war Germania in den Harz gereist und hatte sich auf eine bedingungslose Offensive des Gastgebers vorbereitet. Trainer Reiner Dreyer umriss das taktische Konzept für diese entscheidende Begegnung gegenüber Pressevertretern folgendermaßen: "Wir wollen uns auf keinen Fall hinten rein stellen, denn wir sind keine Devensivmannschaft. Lediglich Siegmar Hohmann soll aus hängender Position spielen, die Bälle verteilen
und bei Standardsituationen mit nach vorn gehen." Dieses Vorhaben ging zunächst voll auf. Wulferstedt spielte gut mit, so dass die Begegnung in den ersten 45 Minuten sowohl von den Spielanteilen als auch von den Tormöglichkeiten her ausgeglichen
verlief. Wenige Sekunden vor dem Halbzeitpfiff hatte sich zudem noch Ingo Tripp energisch im Strafraum durchgesetzt und Wulferstedt zu einem psychologisch wichtigen Zeitpunkt mit einem straffen Schuss mit 1:0 in Führung gebracht. In der Deerenburger Kabine fielen in der Halbzeitpause deutliche Worte und man merkte es der Mannschaft nach dem Wiederanpfiff an, dass sie die Begegnung noch kippen wollte. Der Gastgeber setzte nunmehr alles auf eine Karte und spielte voll auf Angriff. Wulferstedt geriet unter Dauerdruck, die Abwehr offenbarte einige Schwächen,(s.o.) und in der Offensive, im Spiel nach vorn, gelang nicht mehr viel. Als der Eintracht-Elf in der 63. Minute der von ihren Anhängern stürmisch gefeierte Ausgleich zum 1:1 gelang, verstärkte sie noch einmal ihre Angriffsbemühungen. Unvorstellbar der Jubel, als die Einheimischen zwölf Minuten später mit 2:1 in Führung gingen. Sollte es ihnen tatsächlich gelingen, das Spiel in der Gesamtwertung noch zu kippen? Die Derenburger Führung aber bewirkte das Gegenteil, ein Ruck ging urplötzlich durch die Germania-Reihen. Die Mannschaft bewies eine hervorragende Moral und verhinderte mit großem kämpferischen Einsatz weitere Treffer. Dabei hatte sie aber auch das Glück des Tüchtigen auf ihrer Seite, denn zweimal verhinderte die Querlatte Tore für die Einheimischen. Endlich, exakt um 16.45 Uhr, erfolgte der Abpfiff dieser an Dramatik und Spannung kaum noch zu überbietenden Aufstiegsbegegnung. Jubel über Jubel bei den Spielern, Betreuern und den zahlreichen mitgereisten Fans. Germania Wulferstedt war am Ziel seiner Wünsche angelangt. Zum ersten Mal in der an Höhen und Tiefen gewiss nicht armen Vereinsgeschichte hatte eine Mannschaft des Ortes den Aufstieg in eine Leistungsklasse auf Bezirksebene geschafft. Nie war es zuvor einer Wulferstedter Mannschaft gelungen, eine Spielklasse über die Kreisgrenzen hinaus zu erreichen. Der Jubel in der Germania-Kabine hielt sich dagegen in Grenzen, denn am Vortage war der langjährige ehemalige Torhüter Klaus-Dieter Kunze im Alter von 38 Jahren plötzlich verstorben. Die Mannschaft war mit einem Trauerflor angetreten, alle Aktiven und die Besucher des Spiels gedachten seiner während einer Gedenkminute.

Tolle Germania-Fans

Wulferstedt war am Nachmittag des 8. Juni mit großer Sicherheit ein ziemlich verwaister Ort. Mit mehreren Bussen, unzähligen Autos und Motorrädern waren zahlreiche Einwohner nach Derenburg gereist, um ihrer Mannschaft in jeder Beziehung den Rücken zu stärken. Mit Spruchbändern, Fahnen, Pauken, Trompeten und Gesängen gaben sie dem Team moraluschen Rückhalt. Auch in der kritischen Phase, als das Spiel noch zu kippen drohte, feuerten sie "ihre Jungs" unentwegt an. Unter den Zuschauern sah man viele bekannte Gesichter, denn auch aus anderen Orten des Landkreises Oschersleben waren Interessenten in den Harz gereist. Zu ihnen gehörten beispielsweise mit Wilfried Bärenroth aus Wackersleben und dem Ausleber Volker Wahrendorf zwei bekannte Fußballer.

Bummi Reiner
Siegmar Hohmann 2005 Reiner Dreyer 2005

 Einige Meinungen unmittelbar nach Spielschluss

Trainer Reiner Dreyer: "Der Aufstieg ist eine schöne Sache für alle, die am Wulferstedter Fußball hängen. Ein Ziel ist geschafft und nun gilt es, die kommenden neuen Aufgaben gemeinsam anzugehen." Für Reiner Dreyer war dieses Aufstiegsspiel nach viereinhalbjähriger erfolgreicher Tätigkeit die letzte Begegnung, die er als verantwortlicher Trainer leitete. Aus beruflichen Gründen musste der selbstständige Firmeninhaber sein Amt leider niederlegen. Dreyers Entscheidung wurde mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen. Durch seine engagierte, zielstrebige und erfolgreiche Trainerarbeit hatte er sich bei den Spielern und Fans hohe Anerkennung erworben. In der Fußballgeschichte des Ortes wird der Name Reiner Dreyer immer eng mit dem erstmalig erreichten Aufstieg einer Wulferstedter Mannschaft in die Bezirksklasse verbunden bleiben. Mannschaftskapitän Ralf Daszczyk: "Wir haben in den Aufstiegsspielen auch für unseren Trainer gespielt. Ich glaube, dass er sich über den Aufstieg als Abschiedsgeschenk am meisten freut." Stürmer Ingo Tripp: "Das ist ein schöner Erfolg für uns. Ich habe jetzt noch eine Gänsehaut und freue mich für die Mannschaft, die Fans und die "Socken".
Abwehrspieler Bernd Schmidt: "Für unsere Mannschaft ist das eine einmalige Sache. Wir sind alle sehr glücklich. Ich glaube, dass wir zu lässig in die zweite Halbzeit gingen und dadurch unnötig unter Druck gerieten."

Wulferstedt auch Gewinner des Kreispokals

Den beiden Aufstiegsspielen vorausgegangen war das Finale im Kreispokal am 25. Mai. Germania Wulferstedt und die Reserve des Oschersleber SC hatten sich in diesem Wettbewerb für das Endspiel qualifiziert, das in Ausleben zur Austrahlung kam. Rund 300 Zuschauer erlebten eine spannende Begegnung, die erst in der Verlängerung entschieden wurde. Beide Mannschaften suchten von Beginn an die Offensive, wobei der OSC II zunächst Vorteile für sich verbuchen konnte. Andreas Behrendt, Hubert Natho und Bernd Hemstedt hatten die ersten Torchancen, konnten aber den gut aufgelegten Jürgen Dreyer im Germania-Tor nicht überwinden oder schossen knapp vorbei. In der 22. Minute dann eine Situation, wie man sie im Fußball häufig erlebt: In die Druckphase der Kreisstädter hinein platzte der Führungstreffer des Meisters. Mike Jeschke verwandelte einen Abpraller zum 1:0. Die Bodestädter setzten danach alles auf eine Karte, wollten so schnell wie möglich den Ausgleich erzielen, konnten aber zwei gute Möglichkeiten nicht nutzen. Mit dem Beginn der zweiten Halbzeit setzte der OSC die Aufholjagd fort, und seine Bemühungen wurden in der 50. Minute belohnt. Andreas Behrendt verwandelte einen von Libero Bernd Schmidt verschuldeten Handstrafstoß zum verdienten Ausgleich. In der Folgezeit hatten beide Mannschaften noch Möglichkeiten, die Begegnung für sich zu entscheiden, aber es blieb bis zum Ende der regulären Spielzeit beim 1:1. In der folgenden Verlängerung nahm das Spiel dramatische Züge an. Zunächst scheiterte Bernd Hemstedt per Kopf(95.). Fünf Minuten später hatte der eingewechselte Sven Weide nach einem Fehler von Jürgen Dreyer eine Riesenchance, den OSC in Führung zu bringen, doch ein Germania-Bein rettete in letzter Sekunde. Ingo Tripps Gewaltschuss (107.) sah den OSC-Torhüter auf dem Posten. Sieben Minuten vor dem Ende fiel dann die Entscheidung. Bernd Schmidt und Siegmar Hohmann standen zum freistoß am OSC-Strafraum bereit. Oschersleben konzentrierte sich auf Schmidt als Schützen und konnte nicht mehr umschalten, als Hohmann kaltschnäuzig zum 2:1 ins rechte Eck verwandelte. Nach dem Schlusspfiff rissen die Germania-Aktiven und der zahlreiche Wulferstedter Anhang die Arme hoch und bejubelten den Pokalgewinn. Überglücklich nahm Mannschaftskapitän Ralf Daszczyk aus den Händen von Horst Meyer, Vorsitzender des Kreis-Fußballverbandes, die Trophäe und die Glückwünsche entgegen. Zum Abschluss eines gutklassigen und spannenden Pokalspiels gab es danach eine nette Geste: Germania und der OSC feierten nach dem Pokalfinale gemeinsam in Wulferstedt.
Fazit: Das Spieljahr 1990/91 ist das erfolgreichste in der gesamten Wulferstedter Fußballgeschichte. Zum Kreismeistertitel, Pokalsieg und dem Aufstieg in die Bezirksklasse kam noch der Gewinn des Super-Cups hinzu.